Emotionale Grenzen

Ich denke, auf der Fahrt war ich nervös. Das Tempo regelmässig zu hoch. Am liebsten hätte ich angehalten, erst mal durchgeatmet, mich erst mal in aller Ruhe darauf vorbereitet und diesen Lärm im Kopf ausgeschaltet. Aber wenn es um Minuten geht - wann geht es schon um Minuten? -, dann treibt das Adrenalin alles vorwärts, Stillstehen unmöglich, Fingernägel graben sich in das, was am nächsten liegt (die Handflächen). Es gibt keine richtige Art zu reagieren.
Und wenn man dann stillsteht, wenn man da ist, dann gibt es nichts mehr, ausser winzigen Impressionen, Details, keine Gefühle. Dann ist man ruhig.
Fünf Polizeiautos, zwei Feuerwehrwagen, zwei Rettungswagen, ein Rettungshubschrauber. Warnsignal. Der Polizist, jung, blond, lehnt an seinem Wagen, sieht Papiere durch. Ich sage ihm, was ich will. Er lächelt unsicher, verweist mich an den Obersten, “Chefkommandant, dunkle Haare”, zeigt in eine Richtung. Ich stelle mir solche Menschen immer anders vor, diese Chefkommandanten. Er begleitet mich, lächelt sogar dabei. Der Lastwagen steht quer in der Strasse, weiss ist er und nicht beschriftet. Diese Stille. Kies auf dem Boden verstreut. Das Benzin muss ausgelaufen sein. Ein zerbrochenes Holzkistchen. Eine Tasche aus Leder. Dann ein Häufchen Kleider, Tücher, farbig und die passen gar nicht zueinander, und oben drauf zwei Paar gebrauchte Latexhandschuhe. Es wird laut und dann wieder leise. Jetzt wird sie weggeflogen. Da sind dunkelrot glänzende Blutspritzer auf dem Boden, in dem kopfgrossen Kreis aus Kreide. Das Motorrad, jetzt Einzelteile und doch ein Ganzes, wie ein Bild aus dem späten Kubismus, unter dem Lastwagen, zwischen zwei Räderpaaren. Und da gibt es keine Gefühle.
Wenn es ein Film wäre, wären da die rettenden Arme einer Umarmung.

Notes

Aus dem Moleskine.

di: 22/08/2006: Asiatisch essen. Es wird immer Leute geben, die ständig behaupten, Fisch nicht zu mögen und mögen ihn trotzdem immer, wenn sie ihn bei mir probieren.
Und es überkommt mich immer bei dieser Kombination Leute, die gerne über Männer reden. Dann ist es, als sei es meine Erfindung, Frauen zu lieben. Als sei es mein Privileg, genau das erfahren zu haben, dieses Gefühl, das grösser ist - oder anders - als die vielbesungene Liebe. Als habe ich ein Geheimnis; das, dass es da etwas mehr gibt, bei den Frauen, dass alles tiefer ist, die Liebe wie die Narben.
Es ist auch jetzt, da es mich überkommt, da ich einfach vermisse. Ein stilles Vermissen, das von so tief unten kommt, dass es eigentlich keinen Schmerz gibt, nicht einmal die Frage nach dem weshalb, die die Stille zerreissen könnte. Da ist nur das Band, das sich nicht auflösen lässt. Nicht durch Hass, nicht durch Wut und auch nicht durch Gleichgültigkeit.
Da ist auch wieder diese alte Verschlossenheit, diese alte in mich Gekehrtheit. Und ich hatte gedacht, das sei meine Vergangenheit. Ich fühle mich wie ein Meer, mein eigenes Meer der Einsamkeit und Stille.

mi: 23/08/2006: Alles ist wirr, Buchtaben und Gedanken rattern wie Züge in meinem Kopf, und ich würde am liebsten einsteigen und verreisen. Doch muss ich wohl mit all dem hier fertig werden. Nach der Meinung einiger, soll ich lange genug gerannt sein. Am Bahnhof meiner Gedanken lebt es sich einsamer, als es scheint, auf den ersten Blick. Und doch gibt es sie auch dort, diese kleinen Glücksblumen zwischen dem Sand und Gestein, meine kleinen Glücksblumen. Zwar schlägt hinter mir - immer noch - die Uhr ihren unerträglichen Takt; bringt Stunden, und noch eine. Dann rast ein Zug vorbei. Aber Glücksblumen, die gibt es ab und zu.

Diese Menschen, deren Leben ein sehr unruhiges ist, erleben zuweilen in ihren seltenen Glücksaugenblicken so starkes und unnennbar Schönes, der Schaum des Augenblicksglückes spritzt zuweilen so hoch und blendend über das Meer des Leidens hinaus, dass dies kurze aufleuchtende Glück ausstrahlend auch andere berührt und bezaubert. So entstehen, als kostbarer flüchtiger Glücksschaum über dem Meer des Leidens, all jene Kunstwerke, in welchen ein einzelner Mensch sich für eine Stunde so hoch über sein eigenes Schiksal erhob, dass sein Glück wie ein Stern strahlt und allen, die es sehen, wie etwas Ewiges und wie ihr eigener Glückstraum erscheint.

Und ausserdem ein Auszug aus einem Mail: “Die einen behauen Holz, andere formen Texte. Ich glaube, dass wir beide sehr gute Arbeit geleistet haben.”

i can’t cope

“This song isn’t about you
This song is about the situation I cannot cope with”

Danke, Claudio, fürs kurzfristige Dasein, für die Umarmung (ciao bello).
Und danke Preen.

Parameters

Fear sits patiently
Fear almost smiles when you finally see him
Though you have kept him waiting for thirty-three years
And now he has let himself in
And he has brought you fistfuls of teenage nightmares
Though you think you see, in your naivete
That he is empty handed
And this brings you great relief
At the time

New as you are, really, to the idea that
Even after you’ve long since gotten used to the parameters
They can all change
While you’re out one night having a drink with a friend
Some big hand may be turning a big dial
Switching channels on your dreams
Until you find yourself lost in them
And watching your daily life with the sound off
And of course having cautiously turned down the flame under your eyes
There are more shadows around everything
Your vision a dim flashlight that you have to shake all the way to the outhouse
Your solitude elevating itself like the spirit of the dead
Presiding over your supposed repose
Not really sleep at all
Just a sleeping position and a series of suspicious sounds
A clanking pipe
A creaking branch
The footfalls of a cat

Die Stunden

Aber da sind immer noch die Stunden, nicht wahr? Eine und dann noch eine, und man bringt die eine hinter sich, und dann, mein Gott, ist da noch eine. Mir ist so schlecht.

Ich glaube nicht, dass zwei Menschen glücklicher hätten sein können, als wir es gewesen sind.

sAEiten

Ich will dazu gar nichts sagen.

Buch