Heute wollte ich einfach mal wissen wie das ist, kalt zu haben.
11.12 Uhr: Aufgestanden. Frisch geduscht. Halbwach und zerzaust. Ich rufe noch schnell meine Mails ab und schlurfe dann mit dem Briefkastenschlüssel die Treppe hinunter zum Briefkasten.
11.13 Uhr: Die Grossauflage-Ausgabe des Landboten unterm Arm betrachte ich den Briefkastenschlüssel und denke mir, den könnte ich eigentlich auch mal zu den anderen Schlüssel hängen…
11.14 Uhr: Vor der Haustüre. Die ist jetzt zu. Ich, mit Zeitung in der einen, Briefkastenschlüssel in der anderen Hand, davor. Wir haben 4° Celsius, und ich ein T-Shirt.
Es ist relativ kühl.
11.15 Uhr: Bei den Vermietern geläutet. Da ist niemand. Auch in den drei Wohnungen über uns nicht. Und weshalb bitteschön müssen an einem Mittwochmorgen um 11 Uhr alle arbeiten?
Marina kommt um 12.50 Uhr. Eineinhalb Stunden to go.
11.17 Uhr: Auf der Eingangstreppe. Die Schlagzeilen in der Zeitung: Die Schweiz forscht mit Europa. Naturkapital zu schnell genutzt. Gegen Exportrisikogarantie.
Der Sportteil interessiert eh niemanden. Zusammengefaltet gegen die Blasenentzündung unter den Allerwertesten!
Olmert bricht das Atom-Tabu. Taliban agieren immer selbstbewusster. Paris verheddert sich in Zentralafrika. (?!)
11.30 Uhr: Es ist wirklich arschkalt. Meine Hände sind blau.
11.35 Uhr: Aufgestanden. Hinter dem Haus gibt es keine Leiter. Und der Gedanke ist irgendwie Hirnrissig, in den ersten Stock eines Mehrfamilienhauses einzubrechen.
11.39 Uhr: Wieder auf der Treppe.
Shell beugt sich Russlands Druck.
11.42 Uhr: Da ist der Polizist mit dem Smart, der jeden Tag kommt um die Falschparker zu bestrafen. Sein Handy klingelt. Was jetzt? Nach dem Handy fragen? Ich weiss ja so oder so keine Nummer auswendig.
11.45 Uhr: Eiskalte Arme. Ich bin gleich tot. Und mach mich doch noch auf den Weg zum IAM (Institut für angewandte Medienwissenschaften, 100 Meter entfernt) in der Hoffnung, dort auf Tammy zu treffen, die einen Schlüssel hätte. Dort ist sie natürlich nicht.
11.55 Uhr: Wenn ich nicht sofort etwas warmes finde, sterbe ich einen langsamen Tod.
11.57 Uhr: Im Café von nebenan. Natürlich hab ich kein Geld, natürlich nicht. Wer nimmt schon Geld mit, wenn sie die Post holen geht? Aber der Kellner hat Mitleid.
Und irgendwie nehm ich so gar nicht auf, was ich in der Zeitung lese.
12.03 Uhr: Der Sportteil interessiert doch. Auf Seite 39 erfahre ich, was ich gestern von Daniela schon erfahren habe: Jochen Schümann verzichtet auf die prestigereichste Position (Steuermann) an Bord des America’s-Cup-Verteidigers (Alinghi).
12.05 Uhr: Warm bekomme ich hier trotzdem nicht. Auch nicht, wenn ich die Stellenanzeigen studiere.
12:15 Uhr: …und immer noch nicht…
12:25 Uhr: …und immer noch nicht…
12:50 Uhr: …und dann kommt Marina-la-heroina und rettet mich.